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Der Sternenhimmel im April 2026

Titelbild des Bresser Sky Guide für April 2026 mit Sternkarten-Hintergrund.

Titelbild des Bresser Sky Guide für April 2026 mit Sternkarten-Hintergrund.

Der aktuellste Leitfaden zu Planeten- und Mondaktivität, Kometen und den Wundern des Weltalls.

Der April ist da, und wir Beobachter auf der Nordhalbkugel haben die Frühlings-Tagundnachtgleiche bereits hinter uns gelassen. Mit dem weiteren Weg der Sonne auf die nördliche Himmelshalbkugel werden die Tage unweigerlich länger – und die Stunden astronomischer Dunkelheit entsprechend kürzer. Für Sternfreunde ist dieser Monat daher eine Zeit des Übergangs. Einerseits sorgen die milderen Temperaturen für angenehmere Beobachtungsbedingungen, andererseits sollten Beobachter in hohen nördlichen Breiten die verbleibenden Stunden echter Nacht gut nutzen.

Klimatologische Studien von Russell-Group-Institutionen wie der University of Reading weisen immer wieder darauf hin, dass das Sprichwort von den „April showers“ meteorologisch nur bedingt zutrifft. Statistische Auswertungen aus weiten Teilen Europas zeigen vielmehr, dass der April oft zu den trockeneren Frühlingsmonaten zählt. Nach einem der nassesten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wäre es also nur allzu verständlich, wenn wir uns nun endlich auf eine kleine Wetterpause freuen würden.

Unabhängig vom Wetter vor Ort bleibt der Nachthimmel im Jahr 2026 außergewöhnlich ereignisreich: Planetenkonjunktionen und eine bemerkenswerte Kometenaktivität liefern reichlich Anlass, den Blick nach oben zu richten. Während wir also alle auf klarere Nächte hoffen – ganz gleich, wo Sie sich befinden –, gibt es am Himmel in diesem Monat wieder viel zu entdecken.

Die Sonne

Die Sonnenaktivität war im März 2026 mäßig und etwas geringer als in früheren Phasen des Sonnenzyklus. Daten des Space Weather Prediction Center der National Oceanic and Atmospheric Administration deuten auf eine monatliche mittlere Sonnenfleckenzahl von etwa 78 hin – gegenüber einer Prognose von knapp unter 115. Das zeigt eine Sonne, die weiterhin mehrere aktive Regionen hervorbringt, allerdings ohne die großen, komplexen Sonnenfleckengruppen, wie sie für Aktivitätsmaxima typisch sind.

Die geomagnetischen Bedingungen blieben in der ersten Monatshälfte überwiegend ruhig bis leicht unbeständig, mit nur geringfügigen Störungen und entsprechend begrenzter Polarlichtsichtbarkeit in hohen Breiten. Rund um die Tagundnachtgleiche im März nahm die Aktivität jedoch zu, als verstärkte Sonnenwindströme und koronale Massenauswürfe die Erde erreichten. Zwischen dem 19. und 22. März entwickelte sich ein mäßiger bis starker geomagnetischer Sturm, der kurzzeitig G3-Stärke erreichte. Dies führte zu ausgedehnten Polarlichterscheinungen, die in weiten Teilen Nordeuropas und Nordamerikas sichtbar waren; vereinzelt gab es bei klarem Himmel sogar Berichte aus mittleren Breiten. Anschließend flaute die Aktivität wieder ab, auch wenn schwächere Störungen bis in die letzte Märzwoche hinein weiterhin Polarlichter in hohen Breiten begünstigten.

Wie immer lässt sich das Verhalten der Sonne nur mit begrenzter Genauigkeit vorhersagen. Wer die tägliche Sonnenaktivität genauer verfolgen möchte, findet bei etablierten Diensten wie Spaceweather.com gut aufbereitete Zusammenfassungen zu Sonnenflecken, Flares und koronalen Massenauswürfen. Auch Michel Deconincks Newsletter des Aquarellia Observatory, „Aquarellia Observatory Forecasts“, bietet einen kompakten monatlichen Überblick über solare, heliosphärische und geomagnetische Bedingungen und ergänzt damit die offiziellen Veröffentlichungen des NOAA Space Weather Prediction Center sinnvoll. Beobachter mit besonderem Interesse an Polarlichtern sollten außerdem den Dienst AuroraWatch UK der Lancaster University im Blick behalten. Dessen App- und Warnsystem nutzt geomagnetische Echtzeitdaten, um zeitnahe Hinweise zu liefern, und gehört im Vereinigten Königreich weiterhin zu den zuverlässigsten Werkzeugen, um mögliche Polarlichterscheinungen frühzeitig einzuschätzen, sofern die Sonnenaktivität dies zulässt.

NOAA-Sonnenfleckenzahlen im aktuellen Sonnenzyklus.

NOAA-Sonnenfleckenzahlen im aktuellen Sonnenzyklus. Public Domain.

Der Mond

Der April 2026 beginnt mit einem Mond, der sich in der Jungfrau dem Vollmond nähert. Seine Vollmondphase erreicht er am 2. April in der Waage. In den Nächten der ersten Monatswoche wandert der helle abnehmende Mond weiter ostwärts – von der Waage in den Skorpion und anschließend in den Schützen. In dieser Phase geht er etwa bei Sonnenuntergang auf und bleibt einen Großteil der Nacht auffällig sichtbar, wodurch die Bedingungen für die Beobachtung lichtschwacher Deep-Sky-Objekte deutlich eingeschränkt sind. Auch wenn der stark beleuchtete Mond mit bloßem Auge ein schöner Anblick ist, sind teleskopische Beobachtungen zu dieser Zeit etwas weniger reizvoll, da viele Mondstrukturen flach und kontrastarm erscheinen.

Vom 6. bis 9. April folgt der Mond weiterhin der Ekliptik durch den Skorpion, den Schlangenträger und weiter in den Schützen, wobei sein beleuchteter Anteil allmählich kleiner wird.

Das Letzte Viertel fällt auf den 10. April im Schützen. In dieser halb beleuchteten Phase verläuft der Terminator mittig über die Mondscheibe, und das Relief entlang von Kraterrändern und Gebirgsketten wirkt besonders plastisch. Der Mond geht nun ungefähr gegen 5 Uhr morgens auf und ist am besten am Morgenhimmel zu beobachten. Nach dem Letzten Viertel zieht die abnehmende Sichel am 11. und 12. April durch den Steinbock und erreicht zwischen dem 13. und 14. April den Wassermann. Mit jedem Morgen wird die Sichel schmaler und steht tiefer über dem östlichen Horizont.

Bis zum 15. April hat der Mond die Fische erreicht und zeigt sich in der Morgendämmerung nur noch als sehr feiner Lichtbogen.

Neumond ist am 17. April in den Fischen. Zu dieser Zeit ist die Mondscheibe praktisch unsichtbar, und die umliegenden Nächte bieten die dunkelsten Himmel des Monats. Das sind die besten Abende für die Beobachtung und Astrofotografie lichtschwacher Galaxien, Nebel und Sternhaufen – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Nach Neumond erscheint die junge zunehmende Mondsichel wieder tief am westlichen Abendhimmel. Am 18. April steht sie im Widder neben Venus und wandert am 19. April weiter in den Stier, wo sie kurz vor Sonnenuntergang den Sternhaufen der Plejaden bedeckt. Der frühe Abend des 19. bietet Beobachtern mit Ferngläsern einen besonders schönen Anblick, denn Venus, die Plejaden und der Mond stehen dann dicht beieinander.

Diese Phase fällt zudem mit der markanten Geometrie der Frühlingssichel auf der Nordhalbkugel zusammen. Dadurch steht der Mond nach Sonnenuntergang in einem vergleichsweise steilen Winkel über dem Horizont und bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, den Terminator mit dem Fernglas oder Teleskop zu studieren. Es ist die oft erwähnte Zeit der „hohen Frühlingssichel“ – und eine besonders schöne Gelegenheit, unseren natürlichen Satelliten am Abendhimmel zu beobachten.

Die junge Mondsichel wandert weiter durch den Stier und die Zwillinge und wechselt am 23. April in den Krebs, wo sie am 24. das Erste Viertel erreicht. Die halb beleuchtete Scheibe steht nun hoch am frühen Abendhimmel, und Oberflächendetails heben sich kontrastreich ab – eine weitere günstige Phase für die teleskopische Mondbeobachtung.

In der letzten Aprilwoche nimmt der Mond zunehmend zu, während er weiter ostwärts durch den Löwen und um den 27. April herum in die Jungfrau wandert. Dort endet der Monat mit einem Mond, der sich erneut dem Vollmond nähert und den April unter immer hellerem Mondlicht ausklingen lässt.

Der Mond zusammen mit Venus und den Plejaden am 19. April.

Der Mond zusammen mit Venus und den Plejaden am 19. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Merkur

Merkur erreicht am 3. April seine größte westliche Elongation und steht dabei knapp 28° von der Sonne entfernt. Mit einer Helligkeit von +0,4 mag lässt er sich am besten etwa 45 Minuten vor Sonnenaufgang im Ost-Südosten beobachten. Trotz dieses vergleichsweise großen Sonnenabstands begrenzt Merkurs südliche Deklination im Wassermann jedoch seine Höhe für Beobachter in nördlichen Breiten. Bei Sonnenaufgang steht er – von 51° nördlicher Breite aus gesehen – nur rund 5° über dem Horizont.

Ein Höhepunkt folgt am 20. April, wenn Merkur zusammen mit Mars und Saturn ein enges planetarisches Trio bildet. Merkur hellt sich auf -0,1 mag auf und steht 0,5° südlich von Saturn. Auch wenn diese Konstellation prinzipiell ein lohnendes Ziel für visuelle Beobachtung und Astrofotografie wäre, stehen alle drei Planeten in der heller werdenden Morgendämmerung so tief über dem Horizont, dass man Beobachtern auf der nördlichen Hemisphäre kaum gute Chancen versprechen kann. Deutlich bessere Bedingungen haben Beobachter in Äquatornähe.

Bis zum 30. April nähert sich Merkur seiner oberen Konjunktion. Obwohl seine Helligkeit auf -2,0 mag zunimmt, machen ihn seine geringe Höhe über dem Horizont und die Nähe zur Sonnenscheibe für Beobachter in höheren nördlichen Breiten praktisch unbeobachtbar.

Merkur bei größter westlicher Elongation bei Sonnenaufgang am 3. April.

Merkur bei größter westlicher Elongation bei Sonnenaufgang am 3. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Venus

Während Merkur für die meisten von uns in höheren nördlichen Breiten kaum sinnvoll zu beobachten ist, zeigt sich Venus von einer ganz anderen Seite. Für Beobachter in Nordeuropa bietet der April 2026 ein besonders eindrucksvolles Schauspiel, denn der „Abendstern“ tritt am westlichen Himmel immer markanter hervor. Im Verlauf des Monats dient der Planet als strahlender Blickfang in der Dämmerung und profitiert vom steilen Frühlingswinkel der Ekliptik, der ihm in höheren Breiten eine größere Höhe über dem Horizont verschafft.

Zu Monatsbeginn steht Venus im Sternbild Widder bei einer konstanten Helligkeit von -3,9 mag. Am Abend des 1. April befindet sich der Planet bei Sonnenuntergang etwa 17° über dem Horizont. Wer etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang in Richtung West-Nordwest blickt, findet Venus bei dunkler werdendem Himmel noch rund 10° hoch über dem Horizont.

Am 19. April wechselt Venus in das Sternbild Stier, wo sie bei Sonnenuntergang – von 51° nördlicher Breite aus gesehen – etwa 20° hoch steht. Eine besonders fotogene Annäherung ergibt sich am 18. und 19. April, wenn die schmale zunehmende Mondsichel in unmittelbarer Nähe erscheint. Am besten beobachten lässt sich dieses Schauspiel bei freiem westlichem Horizont. Venus bleibt nun fast zwei Stunden nach Sonnenuntergang sichtbar.

Zum Monatsende zieht Venus um den 23. April knapp südlich am Sternhaufen der Plejaden vorbei und erreicht am 24. April eine schwierig zu beobachtende Konjunktion mit Uranus. Bis zum 30. April steht der Planet in der Abenddämmerung etwas höher, bei 22° – wiederum von 51° nördlicher Breite aus gesehen. Sein brillant silbrig leuchtendes Licht, das fast wie ein Signalfeuer wirkt, macht ihn selbst aus lichtverschmutzten Stadtgebieten heraus unverwechselbar. Mit etwa -3,9 mag ist Venus – abgesehen von Sonne und Mond – heller als jedes andere Objekt am Himmel. Bei einem scheinbaren Durchmesser von 11,6 Bogensekunden zeigt sie Ende April eine deutlich mehr als halb beleuchtetet Phase und lohnt auch die teleskopische Beobachtung, wobei ND-Filter oft empfohlen werden, um die unvermeidliche Blendwirkung dieses sehr hellen Ziels etwas zu mindern.

Venus bei Sonnenuntergang am 30. April.

Venus bei Sonnenuntergang am 30. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Mars

Im April 2026 bleibt Mars für Beobachter in Nordeuropa ein schwieriges Ziel am Morgenhimmel. Zu Monatsbeginn steht er im Wassermann bei einer Helligkeit von +1,2 mag tief im Ost-Südosten. Nach Monatsmitte bildet er, wie bereits erwähnt, am 20. April zusammen mit Saturn und Merkur ein enges planetarisches Trio. Diese Konjunktion wird aus mittleren nördlichen Breiten jedoch wegen der sehr geringen Höhe aller drei Planeten über dem Horizont außerordentlich schwer zu beobachten sein.

Bis zum Monatsende ist Mars weiter in die Fische gewandert, wird dadurch aber kaum leichter sichtbar, da er bei Sonnenaufgang weiterhin sehr tief am Himmel steht.

Mars bei Sonnenaufgang am 30. April.

Mars bei Sonnenaufgang am 30. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Jupiter

Jupiter bleibt im April 2026 den ganzen Monat über ein brillanter Anblick am Himmel der Nordhalbkugel. Im Sternbild Zwillinge gelegen und mit einer nördlichen Deklination von 23° erreicht er eine große Höhe über dem Horizont und bietet dadurch besonders klare teleskopische Ansichten für Beobachter auf der Nordhalbkugel.

Zu Monatsbeginn leuchtet Jupiter mit -2,2 mag hoch am südlichen Himmel nach Sonnenuntergang, in einer Höhe von 62° – von 51° nördlicher Breite aus gesehen. Diese Stellung macht ihn zu einem hervorragenden Ziel für die Beobachtung der Galileischen Monde und der Wolkenbänder seiner Atmosphäre. Am Abend des 1. April misst Jupiter einen scheinbaren Durchmesser von knapp unter 39 Bogensekunden.

Zur Monatsmitte setzt der Planet seine Ostbewegung durch die Zwillinge fort, wobei seine Helligkeit leicht auf -2,1 mag abnimmt. Er bleibt bis ungefähr 4 Uhr morgens sichtbar, bevor er im Nordwesten untergeht.

Gegen Monatsende kommt es am 23. April zu einer auffälligen Begegnung, wenn der zunehmende Mond knapp nördlich am Planeten vorbeizieht. Bis zum 30. April ist Jupiter auf -2,0 mag zurückgegangen und geht zwar früher unter, bleibt aber bis weit nach Mitternacht das dominierende Objekt des Abendhimmels.

Wie üblich gibt es auch im April einige gegenseitige Transitereignisse im Jupitersystem, die von Europa aus sichtbar sind. Das erste davon ereignet sich am 2. April, wenn der Große Rote Fleck, Io und Ganymed gemeinsam den Meridian des Planeten überschreiten. Dieses Ereignis beginnt in Deutschland ungefähr gegen 20 Uhr. Ein weiterer Transit des Großen Roten Flecks zusammen mit Io folgt am 9. April gegen 22 Uhr. Kurz darauf schließt sich ein Ganymed-Transit an, der in der Nacht zum 10. April gegen 3 Uhr morgens beginnt. Ein besonders schöner Transit des Großen Roten Flecks zusammen mit Europa findet am 24. April etwa bei Sonnenuntergang statt.

Jupiter, Großer Roter Fleck und Io-Transit, 2. April, 22 Uhr BST.

Jupiter, Großer Roter Fleck und Io-Transit, 2. April, 22 Uhr BST. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Saturn

Saturn bleibt für Beobachter in Nordeuropa zu Beginn des April ein schwieriges Ziel, da er sich nach seiner oberen Konjunktion Ende März nur langsam aus dem Glanz der Sonne löst.

Zu Monatsbeginn steht der Planet in den Fischen und befindet sich noch zu nahe am Horizont für eine praktische Beobachtung.

Zur Monatsmitte verbessert sich die Sichtbarkeit allmählich, da Saturn beginnt, vor der Morgendämmerung wieder am Himmel zu erscheinen. Am 20. April beteiligt er sich an einer Dreifach-Konjunktion mit Mars und Merkur, die – wie bereits erwähnt – sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich zu beobachten sein wird.

Gegen Ende April gewinnt Saturn gerade genug Höhe, um bei außergewöhnlich freiem Osthorizont kurz vor Sonnenaufgang erhascht werden zu können. Dennoch wird es noch einige Monate dauern, bis Saturn am Morgenhimmel der gemäßigten Nordhalbkugel eine wirklich brauchbare Beobachtungshöhe erreicht.

Saturn und seine Monde bei Sonnenaufgang am 30. April.

Saturn und seine Monde bei Sonnenaufgang am 30. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Uranus und Neptun

Von den beiden äußeren Gasriesen ist Uranus eindeutig besser positioniert. Der Planet steht zu Beginn des April unterhalb der Plejaden im Stier. Wenn Sie die „Sieben Schwestern“ im Fernglas gefunden haben und sich von dort aus nach Süden vorarbeiten, stoßen Sie auf Uranus als winzige graugrüne Scheibe, die etwa 4 1/2° vom Sternhaufen entfernt steht. Das sinnvolle Beobachtungsfenster für Uranus schließt sich für uns jedoch allmählich, da der Planet für viele Beobachter in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel bereits vor dem Einsetzen der astronomischen Dämmerung und echter Dunkelheit unter die 30°-Marke sinkt. Dennoch ist es selbst dann, wenn der Himmel noch nicht völlig dunkel ist, durchaus möglich, Uranus mithilfe der nahegelegenen Plejaden aufzuspüren. Das Beobachtungsfenster wird im Lauf des Monats immer kürzer – wer Uranus also noch einmal sehen möchte, sollte die Gelegenheit jetzt nutzen, denn seine obere Konjunktion fällt in die zweite Maihälfte.

Neptun taucht nach seiner oberen Konjunktion Ende März nun wieder auf der Morgenseite der Sonne auf. Da der Planet deutlich lichtschwächer als Uranus ist, geht er im April vollständig im Glanz der Morgendämmerung unter, und es wird noch einige Zeit dauern, bis sein Abstand zu unserem Zentralgestirn wieder sinnvolle Beobachtungen zulässt.

Uranus und die Plejaden am 1. April.

Uranus und die Plejaden am 1. April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Kometen

Im April gibt es zwei potenziell helle Kometen zu beobachten. Der erste, Komet C/2026 A1 (MAPS), bietet Beobachtern in Nordeuropa während des gesamten April 2026 ein möglicherweise dramatisches, zugleich aber auch anspruchsvolles Schauspiel. Zu Monatsbeginn ist der Komet für bodengebundene Beobachter praktisch unsichtbar, da er am 4. April sein Perihel erreicht. In dieser Zeit bewegt er sich rasch durch die Fische, bleibt jedoch vom intensiven Glanz der Sonne überstrahlt.

Zur Monatsmitte taucht der Komet in der Abenddämmerung im Sternbild Widder wieder auf. Wenn sein Kern die enge Sonnenpassage übersteht, könnte er ungefähr eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang tief im Westsüdwesten mit einem auffälligen Schweif erscheinen.

Gegen Monatsende zieht der Komet in den Stier und beginnt zu verblassen, während er sich aus dem inneren Sonnensystem entfernt. Für eine erfolgreiche Beobachtung sind ein freier Westhorizont und der Einsatz von Ferngläsern hilfreich, um den Himmel nach Beginn der bürgerlichen Dämmerung abzusuchen. Beobachtungsorte fernab städtischer Lichtverschmutzung und ohne störenden Küstendunst bieten dabei die besten Chancen.

Die Sichtbarkeit dieses Kreutz-Sonnengrazers hängt stark davon ab, wie stabil das Objekt den Vorbeiflug in nur 162.000 Kilometern Abstand zur Sonnenoberfläche übersteht. Ephemeridendaten der British Astronomical Association und der NASA deuten darauf hin, dass Beobachtungen kurz nach dem Perihel Anfang April und nochmals um die Monatsmitte herum am aussichtsreichsten sind. In diesem Zeitraum steht der Komet jedoch nur sehr niedrig. Beobachter sollten deshalb nach einem Effekt Ausschau halten, der gelegentlich als „kopfloses Wunder“ beschrieben wird: Dabei wird der Schweif sichtbar, obwohl der Kern selbst noch unter dem Horizont steht. Bis zum 30. April wird die Helligkeit des Kometen deutlich nachgelassen haben, während er sich in Richtung Orion bewegt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Komet so eindrucksvoll erscheint wie in der unten gezeigten SkySafari-Illustration. Ebenso ist es möglich, dass das Objekt den Sonnenvorbeiflug nicht übersteht und vollständig zerfällt. Wie bei jedem Kometen hoffen wir auf das Beste – sollten die Erwartungen aber mit etwas Realismus betrachten.

Der Pfad des Kometen C/2026 A1 (MAPS) im Verlauf des April.

Der Pfad des Kometen C/2026 A1 (MAPS) im Verlauf des April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Ein weiteres interessantes Objekt ist Komet C/2025 R3 (PANSTARRS). Auch dieser hat das Potenzial, mit bloßem Auge sichtbar zu werden, wobei die mögliche Maximalhelligkeit derzeit noch stark schwankt. Der Komet könnte etwa die 4. bis 5. Größenklasse erreichen, mittlere Lichtkurven lassen jedoch ein Maximum um 0 mag erwarten. Im günstigsten Fall wären sogar beeindruckende -4 mag denkbar.

Zu Monatsbeginn steht der Komet innerhalb des Großen Vierecks des Pegasus und lässt sich am besten am Himmel vor der Morgendämmerung beobachten. Gegenwärtig zeigt er sich als Objekt der 6. Größenklasse, sodass für eine sichere Sicht vor dem hellen Hintergrund der Morgendämmerung ein Fernglas erforderlich ist.

Zur Monatsmitte könnte der Komet auf etwa 3 mag heller werden, während er durch den Pegasus in Richtung Fische wandert. Beobachter sollten etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang rund 15° über dem östlichen Horizont nach ihm suchen, um auch einen sich entwickelnden Staubschweif auszumachen.

Nach dem Perihel am 19. April nähert sich der Komet rasch der Sonnenkonjunktion und sinkt in den intensiven Glanz der Sonne. Daher bietet das Monatsende aus Nordeuropa nur noch sehr eingeschränkte Sichtbarkeit, da das Objekt extrem tief am Morgenhimmel steht. Für eine erfolgreiche Beobachtung sind ein freier Osthorizont und möglichst geringe Lichtverschmutzung entscheidend.

Ephemeridendaten des Minor Planet Center zeigen, dass das günstigste Beobachtungsfenster zwischen dem 5. und 18. April liegt. In diesem Zeitraum erreicht der Komet noch genügend Höhe, um trotz atmosphärischer Extinktion vor Sonnenaufgang erkennbar zu bleiben. Obwohl Vorwärtsstreuung die Helligkeit des Schweifs um den 25. April deutlich verstärken könnte, wird die extreme Sonnennähe solche Strukturen aus höheren nördlichen Breiten wahrscheinlich nur schwer erfassbar machen.

Auch hier ist noch völlig offen, wie hell dieser Komet am Ende tatsächlich wird. Erfreulich ist jedoch, dass uns in diesem Monat gleich zwei vielversprechende Kometenkandidaten begleiten.

Der Pfad des Kometen C/2025 R3 (PANSTARRS) im Verlauf des April.

Der Pfad des Kometen C/2025 R3 (PANSTARRS) im Verlauf des April. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Meteore

Mit ihrem Maximum in der Nacht vom 21. auf den 22. April sind die Lyriden eine verlässliche jährliche Erscheinung. Auch wenn sie nur selten so spektakulär ausfallen wie manche der großen Meteorströme, lohnen sie sich dennoch jedes Jahr aufs Neue. Der Meteorstrom scheint aus einem Himmelsbereich zwischen Leier und Herkules auszustrahlen, wobei man bedenken sollte, dass Meteore in jedem Teil des Himmels auftauchen können – ausgehend von diesem Radianten.

Während des Maximums im Jahr 2026 geht die zunehmende Mondsichel unter, bevor der Radiant seinen höchsten Stand erreicht. Damit steht in den Stunden vor der Morgendämmerung ein dunkler Himmel zur Verfügung.

Die Teilchen dieses Stroms stammen vom Kometen C/1861 G1 (Thatcher), der im Jahr 2276 zurückkehrt, und treten mit 48 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein. Ihre vergleichsweise geringe kinetische Energie und kleine Korngröße führen typischerweise zu einer mittleren Helligkeit von etwa +2,0 mag. Obwohl seltene historische Ausbrüche mehrere Hundert Meteore pro Stunde hervorbrachten, liegt die typische Zenitstundenrate bei ungefähr 20. Bei klarem Himmel lassen sich die hellsten Meteore mit kurz belichtenden DSLRs oder USB-Imaging-Kameras mit All-Sky-Objektiven aufnehmen.

Der Radiant der Lyriden an der Grenze zwischen Leier und Herkules.

Der Radiant der Lyriden an der Grenze zwischen Leier und Herkules. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Deep-Sky-Highlights: Galaxiensaison Teil 2 – Löwe

Das Sternbild Löwe.

Das Sternbild Löwe. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Wenn wir unseren Blick auf den Löwen richten, besteht kaum ein Zweifel daran, dass wir uns nun mitten in der sogenannten „Galaxiensaison“ befinden, denn dieser Himmelsbereich ist geradezu übersät mit Galaxien. Die Jagd nach ihnen ist keineswegs nur etwas für Besitzer eines vermeintlich unverzichtbaren „großen Dobsons“. Zwar hilft eine größere Öffnung ganz sicher, um bei vielen der in diesem Monat erwähnten Objekte überhaupt Details wahrzunehmen, doch etliche davon lassen sich auch mit kleineren Linsenteleskopen, Spiegelteleskopen und großen Ferngläsern von guten, dunklen Beobachtungsplätzen aus beobachten. Allerdings braucht es Geduld und Sorgfalt, um das schwache Leuchten dieser faszinierend weit entfernten Objekte aus dem Hintergrundhimmel herauszulösen. Um in vielen der Galaxien, die wir in diesem Monat behandeln, tatsächlich Strukturen zu erkennen, braucht es jedoch meist eines von zwei Dingen: ein großes Teleskop mit mindestens 10 Zoll Öffnung – besser noch mehr – oder präzise nachgeführte Langzeitbelichtungen in der Astrofotografie. Wer die wahre Schönheit dieser massiven und zugleich scheinbar filigranen Strukturen erfassen möchte, kommt um das eine oder das andere kaum herum. Entscheidend bleiben dabei immer auch die Himmelsbedingungen: Gerade bei Galaxien gilt mehr denn je – je dunkler, desto besser. Eine sanfte Filterung kann die Galaxienbeobachtung unter lichtverschmutztem Himmel unterstützen, doch Schmalband-Filter wie OIII, H-Alpha und ähnliche helfen bei Galaxien meist weit weniger als bei Nebeln – außer bei Systemen mit ausgeprägten Emissionsregionen in genau diesen Wellenlängen. Ein guter Skyglow-, CLS- oder allgemeiner Deep-Sky-Filter kann den Kontrast eines Objekts gegenüber dem Hintergrundhimmel erhöhen, ohne zu viele der relevanten Wellenlängen abzuschneiden, in denen eine Galaxie strahlt. Da das Spektrum einer Galaxie wesentlich breiter ist als das typischer Nebel, liefert eine milde Filterung in der Regel die besten Ergebnisse.

Das erste Objekt auf der Beobachtungsliste ist eines der schwierigsten, aber vermutlich auch eines der am leichtesten aufzufindenden und – galaktisch gesehen – das nächstgelegene: die Galaxie Leo I. Leo I steht ein Drittel Grad nördlich von Regulus, Alpha Leonis, dem Hauptstern des Löwen – auch wenn manche Publikationen sie etwas näher angeben. Leo I ist eine elliptische Galaxie mit einer beachtlichen Winkelausdehnung von 12 x 8,5 Bogenminuten und einer fotografischen Helligkeit von +11,15 mag. Sie ist eine der am weitesten entfernten Satellitengalaxien der Milchstraße und liegt etwas mehr als 800.000 Lichtjahre von uns entfernt. Entdeckt wurde Leo I erstmals auf Aufnahmen des Palomar Sky Survey, die 1950 mit der 48-Zoll-Schmidt-Kamera des Observatoriums entstanden. Ihre visuelle Helligkeit wird mit rund +9,8 mag angegeben, womit sie eigentlich in Reichweite amateurastronomischer Instrumente liegen sollte. Doch aus visueller Sicht ist gerade ihre leicht auffindbare Lage zugleich ihr größtes Problem: Sie steht so dicht bei Regulus, dass die benachbarte Galaxie beinahe in dessen Glanz untergeht. Es gibt Berichte, dass Leo I bereits mit Teleskopen der 10- bis 12-Zoll-Klasse gefunden wurde, doch sehr wahrscheinlich muss man Regulus mit passender Vergrößerung knapp außerhalb des Gesichtsfeldes platzieren, um diesen entfernten Satelliten unserer Galaxie überhaupt zu sehen. Leo I erscheint als nebliger ovaler Lichtfleck, selbst in großen Teleskopen ohne klar erkennbare Struktur. Die Galaxie scheint keine begleitenden Kugelsternhaufen zu besitzen und enthält nur wenige Sterne mit hoher Metallizität, was auf eine vergleichsweise junge Sternpopulation hindeutet – vermutlich nur etwas mehr als doppelt so alt wie die Sonne. Die Galaxie ist von einem Halo aus Begleitgas umgeben, aus dem sie sich möglicherweise gebildet hat – oder auch nicht.

Dieses ungewöhnliche Objekt ist eine echte Herausforderung, doch wer es findet, blickt an den äußersten Rand des Einflussbereichs unserer Milchstraße – und höchstwahrscheinlich auf ihren jüngsten Begleiter.

Etwa neun Grad östlich von Leo I liegt eine spektakuläre Galaxiengruppe: die Messier-Objekte M95, M96 und M105 – zusammen mit ihren Begleitgalaxien NGC 3377 und NGC 3384. Diese Gruppe nimmt ein kompaktes Himmelsareal von etwa 3 x 1,5 Grad ein und lässt sich auf halber Strecke einer gedachten Linie zwischen Regulus und Iota Leonis finden, einem der hinteren Beine des Löwen. Von den drei Galaxien liegt die wunderschöne M95 am weitesten westlich. M95 ist eine Balkenspirale, die wir nahezu von vorn sehen. Sie wurde – zusammen mit der nahegelegenen M96 – 1781 von Pierre Méchain entdeckt. Messier katalogisierte beide Objekte weniger als eine Woche später. Mit +9,69 mag ist M95 ein relativ einfaches, kompaktes Objekt von 7,4 x 5 Bogenminuten Größe. In einer Entfernung von 31 Millionen Lichtjahren ist sie innerhalb ihrer Gruppe die nächstgelegene und liegt eine Million Lichtjahre näher als die übrigen. Da M95 eine Balkenspirale ist, werden die meisten Beobachter mit Teleskopen ordentlicher Größe den Zentralbereich wahrscheinlich als leicht länglich erkennen, umgeben von einem schwächeren Schimmer ihrer Spiralarme. Lang belichtete Aufnahmen des Systems zeigen ihre Struktur in voller Pracht – zwei mächtige Spiralarme, die Sterne in weitere, federartige Außenarme hinaustragen. Sollte unsere eigene Galaxie tatsächlich, wie oft vermutet, ebenfalls eine Balkenspirale sein, könnte sie für entfernte Beobachter durchaus ähnlich wie M95 aussehen, wenngleich unsere Milchstraße möglicherweise noch ausgeprägtere äußere Spiralstrukturen besitzt.

M95 und M96 von Mark Blundell.

M95 und M96 von Mark Blundell. Bildwiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

Direkt neben M95, nur zwei Drittel Grad entfernt, steht eine weitere schöne Spiralgalaxie: M96. Bei ähnlicher Winkelausdehnung wie ihre Nachbarin ist sie mit +9,3 mag etwas heller. Im Gegensatz zu M95 wirkt M96 staubreicher, besitzt aber einen kompakteren Kern. Sie wird oft als Doppelbalkenspirale geführt. Diese doppelte Balkenstruktur, zusammen mit den weit ausladenden Armen und dem staubigen Charakter der Galaxie, lässt ihre Spiralstruktur weniger klar definiert erscheinen als bei ihrer Nachbarin M95. Mit einer ähnlichen Winkelausdehnung wie M95, nämlich 7,8 x 5,2 Bogenminuten, erscheint M96 in einem Teleskop der 10- bis 12-Zoll-Klasse als kompakteres Objekt von etwa 3 x 5 Bogenminuten, mit hellem Zentralbereich und einem schwächeren Ring aus Sternenlicht, der ihre Arme bildet. Der Grund, warum sie in manchen Katalogen etwas heller als M95 erscheint, liegt darin, dass die Galaxie im Vergleich zu ihrer Nachbarin deutlich stärker verkürzt erscheint. Manche Angaben nennen eine Neigung von bis zu 53 Grad zu unserer Sichtlinie, während M96 andernorts auch mit weniger extremen 35 Grad verzeichnet ist. Welche Angabe auch zutrifft – M96 ist ein hervorragendes Ziel für visuelle Beobachtung und Astrofotografie.

Knapp ein Grad nördlich von M96 befindet sich die Gruppe aus M105 sowie den nahen NGC 3384 und 3389. Von diesen dreien ist M105 mit +9,3 mag die dominierende und hellste Galaxie. Sie wird oft als Musterbeispiel einer elliptischen Galaxie beschrieben und ist als solche intensiv untersucht worden. M105 ist ein später Zusatz zur Messier-Liste – aufgenommen von der Astronomin Helen Sawyer Hogg im 20. Jahrhundert –, obwohl sie bereits 1781 von Méchain entdeckt wurde. Charles Messier bestätigte die Entdeckung damals nicht und nahm sie deshalb nicht in seinen ursprünglichen Katalog auf. Es ist schwer nachvollziehbar, warum Messier M105 nicht aufnahm, denn sie ist auffällig genug: in kleinen Teleskopen ein nebliger Lichtfleck, in größeren Instrumenten ein verdichtetes Leuchten mit kräftigem Kern. Elliptische Galaxien gelten ihrer Natur nach oft nicht als so spektakulär oder charaktervoll wie Spiralgalaxien, doch das sollte niemanden davon abhalten, M105 aufzusuchen. Viele Astronomen betrachten elliptische Galaxien inzwischen sogar als Endstadium galaktischer Entwicklung nach der Verschmelzung zweier Spiralgalaxien – das mögliche Zusammentreffen der Milchstraße mit M31 könnte langfristig durchaus zu einer ähnlichen Struktur wie M105 führen. Ein Hinweis auf die Vergangenheit von M105 ist, dass sie nur wenige Sternentstehungsgebiete und eine vergleichsweise alte Sternpopulation besitzt, was auf eine fortgeschrittene Entwicklungsstufe hindeutet.

Die zweite elliptische Galaxie in diesem engen Trio, NGC 3384, nur 7 Bogenminuten nordöstlich von M105, ist mit +9,89 mag fast ebenso auffällig wie ihre Nachbarin, präsentiert sich uns jedoch unter deutlich schrägerem Winkel. Schon in kleineren Teleskopen wirkt sie länglich, und größere Instrumente zeigen einen klaren hellen Kern sowie den nebligen Halo ihrer äußeren Regionen. Sie ist im Vergleich zu M105 so leicht zu sehen und steht so dicht daneben, dass es kaum zu glauben ist, dass Méchain und Messier sie übersehen haben. William Herschel entdeckte sie 1784. Obwohl sie oft pauschal als elliptische Galaxie eingeordnet wird, wäre die präzisere Bezeichnung für NGC 3384 eine linsenförmige Galaxie. Lang belichtete Astrofotografie hat eine zentrale Balkenstruktur gezeigt, und ebenso wie M105 weist auch sie eine ältere Sternpopulation als der Durchschnitt auf.

NGC 3389 ist die schwierigste dieses Trios: Während die beiden zuvor erwähnten elliptischen Galaxien hell und in ihrer Form recht eindeutig sind, ist NGC 3389 ganze zwei Größenklassen lichtschwächer und liegt bei +11,89 mag. Damit gehört sie visuell deutlich eher in den Bereich größerer Teleskope. NGC 3389 ist eine Spiralgalaxie und zeigt auf lang belichteten Aufnahmen einen deutlich bläulicheren, energiereicheren Charakter – vielleicht ein wenig an eine Miniaturausgabe von M33 erinnernd. Das liegt vor allem daran, dass sie gar nicht wirklich zur Gruppe gehört: Obwohl sie M105 und NGC 3384 am Himmel sehr nahe steht, befindet sich NGC 3389 tatsächlich in rund 64 Millionen Lichtjahren Entfernung, also etwa doppelt so weit wie ihre scheinbaren Nachbarn, und steht mit ihnen in keiner Verbindung. Instrumente ab etwa 10 Zoll Öffnung zeigen sie, doch in kleineren Geräten bleibt sie schwierig. Sie erscheint als blasser nebliger Fleck südöstlich von NGC 3384, und in den meisten Teleskopen sind keine Details zu erwarten – auch wenn Besitzer größerer Instrumente von einer gewissen strukturierten „Klumpigkeit“ im Okular berichten.

Bei niedriger Vergrößerung – unter etwa 40-fach – lassen sich M96, M105 und NGC 3384 gemeinsam in einem Okular erfassen, ebenso wie M95 und M96. Besitzer lichtstarker Spiegelteleskope mit geringem Öffnungsverhältnis sollten jedoch bedenken, dass solch niedrige Vergrößerungen oft wenig sinnvoll sind, da der Schatten des Fangspiegels die Sicht beeinträchtigen kann.

Lassen wir diese Galaxiengruppe hinter uns, kehren wir zu dem bereits erwähnten Iota Leonis zurück und verfolgen eine Linie entlang eines der hinteren „Beine“ des Löwen, bis wir auf den Stern Chertan oder Theta Leonis treffen, mit +3,34 mag – manchmal auch Chort oder Coxa genannt. Verfolgt man die Linie zurück zu Iota Leonis und hält etwa auf halber Strecke an, so findet man dort die nächste Galaxiengruppe: das M65-Triplett, besser bekannt als das Leo-Triplet. Dieses Triplet enthält die Messier-Objekte M65 und M66 sowie die langgestreckte NGC 3628. Alle drei Objekte sind Spiralgalaxien, zeigen sich uns aber – wenig überraschend – in sehr unterschiedlicher Orientierung.

M65 und M66 wurden 1780 von Charles Messier entdeckt, auch wenn ihre Entdeckung oft fälschlich Méchain zugeschrieben wird. Von den beiden ist M65 mit +9,30 mag etwas kleiner und schwächer. Sie besitzt ein helles Zentralgebiet und recht leuchtkräftige Arme. Da sie sich uns in deutlicher Schräglage zeigt und eine Fläche von 9,8 x 2,9 Bogenminuten einnimmt, treten auch die dunkleren Staubbänder in ihren Armen auffällig hervor – möglicherweise durch die perspektivische Verkürzung zusätzlich betont. M66 dagegen ist eine breitere Balkenspirale, heller als ihre Nachbarin mit +8,9 mag und mit 9,1 x 4,1 Bogenminuten auch flächenmäßig ausgedehnter. Die Spiralarme von M66 sind weniger regelmäßig als jene von M65, was auf frühere Gezeitenwechselwirkungen mit der benachbarten NGC 3628 hindeutet – ebenso wie eine verdrängte Wasserstoffwolke, die sich aus ihren Armen nach außen verlagert hat und nun im Bereich ihres galaktischen Halos liegt.

Das Leo-Triplet: M65, M66 und NGC 3628, von Mark Blundell.

Das Leo-Triplet: M65, M66 und NGC 3628, von Mark Blundell. Bildwiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

NGC 3628 ist mit +9,50 mag die lichtschwächste der drei, zugleich aber mit 13,1 x 3,1 Bogenminuten die längste. Es handelt sich um eine faszinierende Spiralgalaxie, die wir genau von der Kante aus sehen und die in ihrer Mitte von einem langen dunklen Staubband durchschnitten wird. Dieses ist in kleineren Teleskopen schwer zu erkennen, tritt in größeren Instrumenten jedoch sehr deutlich hervor. 10 bis 12 Zoll Öffnung zeigen sie bereits gut, doch in einem Teleskop mit 14 bis 16 Zoll Öffnung ist sie unverkennbar – ganz ähnlich wie NGC 891. Entdeckt wurde NGC 3628 1784 von William Herschel. Im Verhältnis zu ihren Nachbarn ist sie recht auffällig, weshalb es erneut überrascht, dass sie nicht schon früher entdeckt wurde. NGC 3628 hat gezeitenbedingt mit M66 wechselgewirkt, was zu einem gewaltigen Sternenstrom führte, der sich in einer atemberaubenden, 300.000 Lichtjahre langen Spur von ihr löst. Dieses Merkmal ist nur auf sehr lang belichteten und sorgfältig bearbeiteten astrofotografischen Aufnahmen sichtbar, gehört aber zu den eindrucksvollsten Belegen für gravitative Wechselwirkungen zwischen Galaxien am Himmel.

Alle drei Galaxien passen im Gesichtsfeld eines Okulars mit geringer Vergrößerung in einem Rich-Field-Instrument zusammen, und auch große Ferngläser zeigen sie schön als Triplet. Leider lassen sich die dunklen Staubbänder von NGC 3628 im Fernglas nicht erkennen, doch das Leo-Triplet ist unabhängig von der eingesetzten Optik in jedem Fall einen Blick wert.

Alle bisher genannten Galaxien – mit Ausnahme der außerhalb stehenden NGC 3389 und der verwirrenderweise viel näheren Leo I – sind Mitglieder der erweiterten Leo-I-Galaxiengruppe. Zur Klarstellung: Leo I, die Galaxie, und die Leo-I-Galaxiengruppe haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Die nächste Gruppe, zu der wir kommen, gehört zur Leo-II-Population, einer verwandten, aber getrennten Galaxiengruppe.

Gehen wir vom M65-Triplet weiter nach Norden, stoßen wir auf ein weiteres kompaktes Galaxientrio: die Spiralgalaxie NGC 3626 und das nahe Paar elliptischer Galaxien NGC 3607 und 3608. Etwa 2 1/2 Grad südlich von Zosma, Delta Leonis, also an der Basis des Löwenschwanzes, findet man das Paar NGC 3607 (+9,89 mag) und NGC 3608 (+10,80 mag). Mit nur 5 Bogenminuten Abstand sind beide schon in kleinen Instrumenten leicht auffindbar, wobei die hellere NGC 3607 mit 4,6 x 4,0 Bogenminuten die auffälligere ist. NGC 3626 steht drei Viertel Grad östlich dieses Paares. Mit +10,6 mag wurde NGC 3626 ebenfalls 1784 von Herschel entdeckt. Es ist eine hübsche, wenn auch kompakte Spiralgalaxie und wird außerdem als Nummer 40 im Caldwell-Katalog von Patrick Moore geführt. Obwohl sie als Objekt 11. Größenklasse verzeichnet wird, erscheint sie heller, weil ihr Licht auf eine kompakte Fläche von nur 2,7 x 1,9 Bogenminuten konzentriert ist. Größere Teleskope sind nötig, um Details in ihren äußeren Spiralarmen sichtbar zu machen.

Zum Schluss kommen wir zu einer deutlich helleren Galaxie: NGC 2903. Dies ist eine wunderbare Spiralstruktur, die mit einer Helligkeit von 8,9 mag bereits in einem kleinen Teleskop leicht sichtbar ist. Mit Abmessungen von 12,6 x 6,6 Bogenminuten sehen wir die Galaxie unter einem recht schrägen Winkel, was zu ihrer relativ hohen Flächenhelligkeit beiträgt. NGC 2903 ist recht leicht zu finden, denn sie steht ungefähr 1 1/2 Grad unter dem „Kinn“- oder „Mund“-Stern des Löwen, Lambda Leonis.

Die Position von NGC 2903 unter dem Kinn des Löwen.

Position von NGC 2903 – unter dem „Kinn“ des Löwen. Bild erstellt mit SkySafari 5 für Mac OS X, ©2010–2016 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

In einer Entfernung von 20,5 Millionen Lichtjahren lassen sich ihre Staubbänder und Emissionsnebel noch vergleichsweise gut erkennen. NGC 2905 ist ein auffälliger heller Bereich innerhalb von NGC 2903. Man geht davon aus, dass NGC 2903 etwa 80 % so groß ist wie unsere Milchstraße. Die Ähnlichkeiten gehen noch weiter: Auch ihre Spiralstruktur und ihr deutlich ausgeprägter zentraler Balken erinnern an unsere eigene Galaxie. Hubble-Aufnahmen zeigen, dass die Kugelsternhaufen von NGC 2903 etwas heller und markanter erscheinen als die Kugelsternhaufen der Milchstraße es in vergleichbarer Entfernung wären. Das deutet darauf hin, dass sie und ihre Muttergalaxie womöglich etwas jünger sind als unsere eigene.

NGC 2903 scheint auch in Bezug auf Sternentstehung sehr effizient zu sein – besonders ihr markanter Materiering um den Kern ist reich an jungen Sternen. Es wird angenommen, dass die Gezeitenkräfte des zentralen Balkens dieses Material verdichten und so den Mechanismus hinter dieser Sternentstehung bilden.

NGC 2903 von Mark Blundell.

NGC 2903 von Mark Blundell. Bildwiedergabe mit freundlicher Genehmigung.